8. Bayerischer Selbsthilfekongress - Gut besucht und gut diskutiert !

Am Freitag, den 4. November 2011 fand von 9.30 bis 17.00 Uhr in der Kurfürstlichen Reitschule in Ingolstadt der 8. Bayerische Selbsthilfekongress statt.

Die Schirmherrin Sozialministerin Christine Haderthauer betonte nochmals die Bedeutung der Selbsthilfe und bedankte sich bei den Anwesenden für ihr ehrenamtliches Engagement. Im Anschluss daran spann Prof. Martina Wegner aus München den Bogen zwischen Selbsthilfe und seiner Verortung im Feld des bürgerschaftlichen Engagements.

Besonders beeindruckend waren ab 11.30 Uhr die intensiven Gespräche in den neun Workshops, in denen Selbsthilfeaktive und Vertreter von Fachleuten aus dem Gesundheits- und Sozialbereich auf einer Augenhöhe miteinander diskutierten und neue Zukunftsideen zur Förderung der Selbsthilfe entwickelten.

Im Abschlussplenum wurde deutlich, mit wie viel Selbstbewusstsein, aber auch mit welcher Lebensfreude Selbsthilfegruppen ihre Gruppenarbeit gestalten.
Da sagte beispielsweise Hildegard Kaltenstadler von der Osteoporosegruppe Würzburg: “Wir von der Selbsthilfe sind einfach nicht totzukriegen: Selbsthilfe ist bürgerschaftliches Engagement, aber noch viel mehr: es ist Engagement in eigener Betroffenheit und eine Hilfe für mich, aber auch für Andere.
Oder zwei Herren aus der Suchtselbsthilfe betonten nochmals die Bedeutung des offenen Gespräches in der Selbsthilfe: “Gelogen haben wir in unserer Saufzeit dauernd, jetzt wollen wir menschlich, offen und ehrlich sein.” Auch die Zusammenarbeit mit Ärzten und Apothekern wurde unter die Lupe genommen: “Sie ist zu 25 Prozent gut, 75 Prozent seien aber noch verbesserungswürdig, so eine engagierte ältere Dame der Rheumaliga. Darauf der Pressesprecher des Apothekerverbandes: “Ja, dann lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass sich in ein paar Jahren das Verhältnis genau umkehrt!”
Weitere Themen waren “kreative Öffentlichkeitsarbeit”, “internetbasierte Selbsthilfe“ und „Social Media”: hier zeigte sich, dass Selbsthilfegruppen die Öffentlichkeit suchen, um ihr Thema bekannt zu machen, dass sie aber trotzdem wegen ihrer heiklen Themen auf besonderen Schutz und auf Sensibilität der Journalisten angewiesen sind.
Pünktlich zum Selbsthilfetag wurde außerdem der Onlinebetrieb für die neue Kommunikationsplattform für gemeinschaftliche Selbsthilfe im Web 2.0 „www. selbsthilfe-interaktiv.de“ gestartet. Mehr Informationen finden sich auf unserer Startseite.
Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit dem Thema “Selbsthilfe und Psychotherapie – entweder – oder? oder beides?”. Die eindeutige Antwort war: „Wir brauchen beides!“. In der Arbeitsgruppe wurde außerdem deutlich, wie wichtig die Kooperation zwischen Angehörigen, Betroffenen und Profis ist. Dieser Trialog müsse weiter gefördert werden, so Simone Hoffmann aus der Selbsthilfekontaktstelle Main-Spessart.

Insgesamt war der Kongress, der schon Wochen vorher ausgebucht war, wieder ein voller Erfolg. Dreihundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen zum Teil weite Anfahrten aus ganz Bayern in Kauf, um dabei zu sein. Dass Selbsthilfe immer noch hochaktuell ist, zeigte sich auch daran, dass der Kongress schon nach kurzer Zeit ausgebucht war. „Wir hätten noch locker 100 weitere Anmeldungen aufnehmen können, aber der Platz reichte leider nicht“, so die Geschäftsführerin der Selbsthilfekoordination Bayern, Theresa Keidel.
SeKo Bayern ist eine Netzwerkstelle für Selbsthilfe in Bayern und war Hauptveranstalter der Tagung.
Eine Dokumentation wird in den nächsten Wochen nach und nach online gestellt.

Ein herzliches Dankeschön geht an die Gesetzlichen Krankenkassen in Bayern, die Kassenärztliche Vereinigung, die Apothekerkammer und den Apothekerverband, sowie die Stadt Ingolstadt mit der Volkshochschule, die durch ihre Förderung den Kongress erst möglich gemacht haben. Ein weiteres Dankeschön geht an die engagierte örtliche Selbsthilfekontaktstelle in Ingolstadt unter Leitung von Sigrid Steger und an ihre ehrenamtlichen Helfer, die am Gelingen des Selbsthilfekongresses inhaltlich und organisatorisch stark beteiligt waren.

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